Können antivirale Medikamente gegen Grippeviren Nebenwirkungen haben?
Veröffentlicht von Dr. Sofia Urner, überprüft von Mariana Blagojevic | 2024-Mar-28
Jeder Winter bringt die alljährliche Grippewelle mit sich - und mit ihr die Suche nach wirksamen Behandlungsmöglichkeiten. Eine zunehmend populäre Option sind antivirale Medikamente, die gezielt gegen Grippeviren vorgehen sollen. Doch wie zuverlässig sind diese Präparate, und welche Nebenwirkungen können auftreten?
Grundsätzlich gehören antivirale Medikamente zur Behandlung von Grippeinfektionen mittlerweile zum festen Repertoire der Medizin. Sie zielen darauf ab, die Vermehrung und Ausbreitung der Grippeviren im Körper zu hemmen, um den Krankheitsverlauf abzumildern. Dabei kommen verschiedene Wirkstoffgruppen wie Neuraminidasehemmer oder Adamantan-Derivate zum Einsatz.
"Antivirale Medikamente können den Verlauf einer Grippe-Erkrankung tatsächlich positiv beeinflussen, indem sie die Symptome lindern und die Dauer der Krankheit verkürzen", erklärt Dr. Lisa Müller, Fachärztin für Innere Medizin. "Allerdings ist ihre Wirksamkeit stark vom Zeitpunkt der Einnahme abhängig - je früher, desto besser."
Doch gerade weil antivirale Medikamente direkt in die Lebensfunktionen der Viren eingreifen, bergen sie auch Risiken. Mögliche Nebenwirkungen reichen von Übelkeit und Erbrechen über Kopfschmerzen bis hin zu Schlafstörungen oder sogar Verwirrtheitszuständen. Besonders ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen sind gefährdet.
"Bei der Einnahme antiviraler Medikamente müssen Ärzte stets sorgfältig abwägen, ob der potenzielle Nutzen die Risiken überwiegt", so Dr. Müller. "Gerade bei Risikogruppen ist eine engmaschige Überwachung wichtig."
Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie nachhaltig die Wirkung dieser Präparate ist. Aufgrund der hohen Mutationsraten der Grippeviren besteht die Gefahr, dass sich resistente Stämme entwickeln können, gegen die die Medikamente dann nicht mehr wirken. Experten warnen daher vor einem unkontrollierten Einsatz.
"Antivirale Medikamente sollten nur dann verschrieben werden, wenn es wirklich notwendig ist", betont Dr. Müller. "Ansonsten besteht die Gefahr, dass wir diese wichtigen Wirkstoffe auf Dauer verlieren."
Stattdessen raten Fachleute oft zu einer Kombination aus medikamentöser Behandlung und unterstützenden Maßnahmen wie Bettruhe, ausreichend Flüssigkeitsaufnahme und Hustenlösern. So lässt sich der Heilungsprozess fördern, ohne die Gesundheit durch Nebenwirkungen zusätzlich zu belasten.
Letztlich bleibt die Entscheidung für oder gegen antivirale Medikamente eine Gratwanderung, die im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden muss. Welche Erfahrungen haben Sie selbst damit gemacht? Wie stehen Sie zu dem Thema?