Herpes ist eine weit verbreitete, chronische Viruserkrankung, die für viele Menschen mit Stigma und Unsicherheit verbunden ist. Während die Infektion für die meisten Betroffenen keine lebensbedrohlichen Konsequenzen hat, kann sie dennoch das Sexleben, das Selbstvertrauen und die zwischenmenschlichen Beziehungen belasten. Eine der Hauptsorgen vieler Herpes-Patienten ist die Möglichkeit, das Virus auf andere zu übertragen.
Glücklicherweise haben Forscher in den letzten Jahren wichtige Erkenntnisse über die Rolle antiviraler Medikamente bei der Herpes-Übertragung gewonnen. Diese Medikamente zielen darauf ab, die Vermehrung des Herpes-Simplex-Virus (HSV) im Körper zu reduzieren und somit die Ausbrüche und Symptome zu kontrollieren. Aber können sie auch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf andere Personen senken?
„Antivirale Medikamente wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir können nachweislich das Risiko einer Herpes-Übertragung deutlich verringern", erklärt Dr. Sarah Müller, Fachärztin für Dermatologie. „Studien zeigen, dass Patienten, die diese Medikamente regelmäßig einnehmen, bis zu 50% seltener Herpes auf ihre Partner übertragen."
Der Mechanismus dahinter ist relativ einfach: Indem antivirale Medikamente die Viruslast im Körper senken, verringern sie auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus während Hautkontakten oder Geschlechtsverkehr auf andere Personen übertragen wird. Somit spielen sie eine wichtige Rolle bei der Prävention von Herpes-Infektionen.
Allerdings ist es wichtig zu verstehen, dass antivirale Medikamente die Übertragung nicht vollständig verhindern können. Das Restrisiko einer Ansteckung bleibt auch bei Einnahme der Medikamente vorhanden, insbesondere wenn Patienten Symptome wie Bläschen oder Ausschlag zeigen. Deshalb empfehlen Experten zusätzlich den Gebrauch von Kondomen, um das Übertragungsrisiko weiter zu minimieren.
Eine weitere Herausforderung sind asymptomatische Phasen, in denen Betroffene das Virus zwar in sich tragen, aber keine sichtbaren Symptome zeigen. Auch in diesen Phasen kann eine Übertragung auf andere erfolgen. Hier spielen antivirale Medikamente eine wichtige Rolle, da sie das Risiko einer Ansteckung auch ohne Symptome senken können.
„Studien zeigen, dass die tägliche, prophylaktische Einnahme von antiviralen Medikamenten das Übertragungsrisiko in asymptomatischen Phasen um bis zu 48% reduzieren kann", so Dr. Müller. „Das ist ein wichtiger Schritt, um die Verbreitung von Herpes in der Bevölkerung einzudämmen."
Neben der Reduzierung des Übertragungsrisikos können antivirale Medikamente bei Herpes-Patienten auch die Dauer und Schwere von Ausbrüchen verringern sowie die Häufigkeit zukünftiger Ausbrüche senken. Das kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern und das Stigma der Erkrankung abmildern.
Allerdings ist die Einnahme von antiviralen Medikamenten nicht für jeden Herpes-Patienten geeignet. Mögliche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden müssen sorgfältig abgewogen werden. Außerdem kann eine langfristige Einnahme zu Resistenzbildungen führen, sodass die Medikamente irgendwann ihre Wirksamkeit verlieren.
Insgesamt zeigen antivirale Medikamente also ein enormes Potenzial, um die Ausbreitung von Herpes in der Gesellschaft einzudämmen. Indem sie die Übertragungswahrscheinlichkeit senken, tragen sie dazu bei, Stigmatisierung abzubauen und Betroffenen mehr Sicherheit im Umgang mit ihrer Erkrankung zu geben.
Wie sehen Sie das? Haben Sie selbst Erfahrungen mit antiviralen Medikamenten bei Herpes gemacht? Welche Vor- und Nachteile haben Sie beobachtet? Ich bin sehr an Ihren Perspektiven und Erfahrungsberichten interessiert!
Veröffentlicht von Dr. Sofia Urner, überprüft von Mariana Blagojevic | 2024-Apr-18