Kann man antivirale Medikamente zur Herpesprävention auch ohne ärztliche Verschreibung sicher einnehmen?
Veröffentlicht von Dr. Sofia Urner, überprüft von Mariana Blagojevic | 2024-Apr-16
Herpes simplex ist eine weit verbreitete Virusinfektion, die mehr als 3,7 Milliarden Menschen unter 50 Jahren weltweit betrifft. Obwohl Herpes in den meisten Fällen harmlos ist, können die unangenehmen Symptome wie schmerzhafte Bläschen und Geschwüre das Wohlbefinden und das Selbstvertrauen beeinträchtigen. Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, Herpes-Ausbrüche zu verhindern oder zumindest abzumildern.
Eine Option, die zunehmend diskutiert wird, ist der Einsatz antiviraler Medikamente zur Prävention. Diese Arzneimittel können Herpes-Viren daran hindern, sich im Körper zu vermehren und neue Ausbrüche auszulösen. Doch stellt sich die Frage, ob man solche Präparate auch ohne ärztliche Verschreibung sicher einnehmen kann.
"Antivirale Medikamente wie Aciclovir oder Valaciclovir sind verschreibungspflichtig, da sie potenziell Nebenwirkungen haben können. Eine unbeaufsichtigte Einnahme birgt daher Risiken für die Gesundheit."
So warnt Dr. Martina Schütt, Fachärztin für Dermatologie. Tatsächlich können antivirale Arzneimittel bei unsachgemäßer Anwendung unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Durchfall verursachen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Viren gegen die Wirkstoffe resistent werden, wenn die Dosis oder Einnahmedauer nicht korrekt sind.
"Viele Patienten möchten Herpes-Ausbrüche unbedingt verhindern und scheuen den Gang zum Arzt. In solchen Fällen könnte eine kurzzeitige, niedrig dosierte Einnahme von Aciclovir durchaus sinnvoll sein, um Symptome zu lindern."
Befürworter argumentieren, dass die Risiken bei korrekter Dosierung und Anwendungsdauer überschaubar sind. Zudem sei es für viele Betroffene eine große Erleichterung, Herpes-Episoden selbstständig behandeln zu können.
Dennoch warnen Experten eindringlich vor Selbstmedikation. Denn nur der Arzt kann eine korrekte Diagnose stellen, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ausschließen und die individuell beste Behandlungsoption empfehlen. Außerdem besteht die Gefahr, dass andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie Herpes übersehen werden.
"Stattdessen sollten Betroffene zunächst versuchen, Herpes-Ausbrüche durch Stress-Reduktion, Stärkung des Immunsystems und Vermeidung von Auslösefaktoren zu verhindern. Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, ist eine ärztliche Beratung sinnvoll."
Fazit: Während antivirale Medikamente durchaus ein wirksames Mittel gegen Herpes-Ausbrüche sein können, raten Experten von einer unbeaufsichtigten Einnahme dringend ab. Sicherer und langfristig gesünder ist es, die Ursachen der Erkrankung anzugehen und den Arzt einzubinden. Was denken Sie - wäre eine Lockerung der Rezeptpflicht für solche Präparate sinnvoll?